Chronik der Finanzkrise

Finanzkrise – eine Chronologie der Ereignisse

 
Im Zuge der aktuellen Finanzkrise, die Mitte 2007 offen ausgebrochen ist, mussten zahlreiche Kreditinstitute im In- und Ausland hohe Verluste bei Wertpapieren, so genannten verbrieften US-Hypothekenkrediten, verbuchen. Einige Banken wie Northern Rock konnten nur mit staatlicher Unterstützung vor der Insolvenz bewahrt werden. Die traditionsreiche US-Investmentbank Lehman Brothers wurde sogar zahlungsunfähig.

Wegen der Finanzkrise sind viele Kreditinstitute nicht in ausreichendem Maße bereit, anderen Instituten und institutionellen Investoren Kapital zur Verfügung zu stellen, da das Engagement in US-Wohnungsbaukredite und der Risikogehalt nicht transparent sind. So kommt es zu Liquiditätsengpässen an den internationalen Finanzmärkten und zu einem Vertrauensverlust auch gegenüber Wertpapieren, die mit US-Wohnungsbaukrediten gar nichts zu tun haben.

Die Zahlungsmittelengpässe an den internationalen Finanzmärkten haben die Notenbanken weltweit mehrmals dazu bewegt, den Finanzmärkten zusätzliche Geldmittel zur Verfügung zu stellen.

Seit dem Herbst 2008 wirkt sich die Finanzkrise zunehmend negativ auf die Gesamtwirtschaft aus. Weltbank, Internationaler Währungsfond (IWF) und Wirtschaftsforschungsinstitute senken ihre Prognosen für 2009. Eine Rezession wird befürchtet.

Chronologische Übersicht

3. Juni 2009
Der Bund erhöht nach turbulenten Debatten seinen Anteil an der Hypo Real Estate (HRE) von 47 auf 90 Prozent und kann die restlichen Aktionäre damit mit einem sogenannten Squeeze-Out herausdrängen.
 
25. Mai 2009
Die EU-Kommission will die Eigenkapitalvorschriften (Basel II) für die Kreditwirtschaft weiter verschärfen.
 
7. April 2009
Bundespräsident Horst Köhler unterzeichnet ein Gesetz, das die Enteignung der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate ermöglicht. Zuvor hatte der Bundestag dem Gesetz zugestimmt.
 
5. März 2009
Im Kampf gegen die Rezession schraubt die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins auf ein historisches Tief herunter. Die Währungshüter senken den Satz auf 1,5 Prozent, so niedrig wie nie zuvor in der zehnjährigen Geschichte von EZB und Euro.
 
27. Februar 2009
Die angeschlagenen französischen Bankengruppen Caisse d’Epargne und Banque populaire geben die Fusion ihrer Spitzeninstitute bekannt. Damit entsteht Frankreichs zweitgrößte Bankengruppe mit und 34 Millionen Kunden.
 
29. Januar
Angesichts der Wirtschaftskrise erhöht der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Verlustschätzung. Banken müssen demnach auf US-Kredite und verbriefte Wertpapiere etwa 2.200 Milliarden Dollar abschreiben. Noch im November hatte der IWF Abschreibungen in Höhe von 1.400 Milliarden Dollar angenommen.
 
12. Januar 2009
Die Bundesregierung beschließt ein Konjunkturprogramm in Höhe von knapp 50 Milliarden Euro. Damit sollen die Auswirkungen einer möglichen Rezession abgewendet werden. Geplant sind Steuer- und Abgabensenkungen, Investitionen, Hilfen für Familien, Zuschüsse zum Autokauf und ein Rettungsschirm mit Kredithilfen für Unternehmen. Es ist das zweite Programm dieser Art innerhalb weniger Wochen. Bereits im November hatte der Gesetzgeber ein rund 11 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket geschnürt.

8. Januar 2009
Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich mit einem Anteil von 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank. Insgesamt stellt der Bund dem Finanzinstitut 18,2 Milliarden Euro zur Verfügung.

16. Dezember 2008
Die US-Notenbank (Federal Reserve) senkt den Leitzins in einem historischen Schritt auf ein Zielband zwischen null und 0,25 Prozent von zuvor einem Prozent. Er liegt damit so niedrig wie seit über einem halben Jahrhundert nicht mehr.

27. November 2008
Die US-Regierung und die Federal Reserve Bank wollen bis Ende 2008 den Finanzmärkten 800 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen.

13. November 2008
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet 2009 eine Rezession in den westlichen Industrieländern.

11. November 2008
Die Weltbank senkt ihre Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum 2009 auf ein Pro-zent.

28. Oktober 2008
Die EU-Kommission erklärt das deutsche Rettungspaket für legitim.

17. Oktober 2008
Das 500 Milliarden Euro umfassende Rettungspaket der Bundesregierung wird im Eilverfahren vom Bundestag verabschiedet. Am selben Tag stimmt der Bundesrat zu. Der Hilfsplan tritt bereits einen Tag später – am 18. Oktober 2008 – in Kraft.

15. Oktober 2008
Der Dax und der Leitindex der US-Börsen Dow Jones sinken infolge der Finanzkrise um sechs bis acht Prozent.

13. Oktober 2008
Die Bundesregierung beschließt einen Rettungsplan für die Finanzwirtschaft in Höhe von insgesamt 500 Milliarden Euro.

8. Oktober 2008
Die wichtigsten Zentralbanken der Welt senken gemeinsam die Leitzinsen, um die Finanz- und Kapitalmärkte zu stützen. Der erhoffte Erfolg bleibt aus.

5. Oktober 2008
Die Bundesregierung erklärt eine staatliche Garantie für alle privaten Einlagen. Das Rettungspaket für die Hypo Real Estate muss um 15 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro erhöht werden.

29. September 2008
Der im wichtigsten deutschen Aktienindex (Dax) gelistete Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate steht vor der Insolvenz. Mit einem Rettungspaket in Höhe von 35 Milliarden Euro wird der Konzern vor dem Zusammenbruch bewahrt.

26. September 2008
Die sechstgrößte Bank der USA im Bereich der Vermögensverwaltung, Washington Mutual, wird zahlungsunfähig.

16. September 2008
Die US-Regierung stützt den angeschlagenen Versicherungskonzern AIG mit 85 Milliarden US-Dollar. Zugleich übernimmt sie 80 Prozent des Unternehmens.

15. September 2008
Die US-Investmentbank Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden. Dies löst Erschütterungen an den globalen Kapitalmärkten aus.

6. September 2008
Die US-Regierung übernimmt die vollständige Kontrolle über die beiden großen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac. Beide Hypothekenfinanzierer stehen kurz vor der Insolvenz.

21. August 2008
Die staatliche KfW-Bankengruppe (ehemals Kreditanstalt für Wiederaufbau) verkauft die teilweise in Staatsbesitz befindliche IKB an den US-Finanzinvestor Lone Star. Die Belastungen für die Bundesregierung belaufen sich auf 10,7 Milliarden Euro.

31. Juli 2008
Die EZB stellt dem Geldmarkt bis zu 100 Milliarden Euro zusätzliche Geldmittel zur Verfügung.

Juni 2008
Die Royal Bank of Scotland sowie Barclays, Fortis und andere nehmen massive Kapitalerhöhungen in Milliardenhöhe vor.

Mai 2008
Die Citigroup schreibt 50 Milliarden US-Dollar aufgrund von Investitionen in verbriefte US-Wohnungsbaukredite ab. Die Schweizer Bank UBS, die ebenfalls hohe Abschreibungen vornehmen muss, erhöht ihr Kapital um fast 10 Milliarden Euro. Insgesamt betragen die Kapitalerhöhungen der UBS damit mehr als 23 Milliarden Euro.

März 2008
Die US-Bank Bear Stearns wird von der Federal Reserve Bank gestützt. Die Investmentbank JP Morgan übernimmt Bear Stearns.

Dezember 2007
Die US-Notenbank Federal Reserve, die EZB sowie die Notenbanken von Kanada, Großbritannien und der Schweiz einigen sich auf eine gemeinsame Aktion zur Stützung der Finanzmärkte. Kurzfristig werden über 300 Milliarden US-Dollar bereitgestellt.

Mitte September 2007
Die britische Hypothekenbank Northern Rock gerät in den Subprime-Strudel: Zur Monatsmitte stehen verunsicherte Kunden vor den Geschäftsstellen Schlange, um ihr Geld abzuheben. Die Bank von England springt mit Notfallkrediten und Garantien ein. 2008 wird Nor-thern Rock verstaatlicht.

9./10. August 2007
Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt 95 Milliarden Euro zusätzliche Geldmittel für die Kreditwirtschaft bereit.

30. Juli 2007
Der Deutschen Industriebank (IKB) droht die Zahlungsunfähigkeit. Der private Mittelstandsfinanzierer hatte sich mit milliardenschweren Engagements für verbriefte US-Wohnungsbaukredite verspekuliert. In einer gemeinsamen Anstrengung retten die privaten, öffentlichen und genossenschaftlichen Banken die IKB.

Mitte Juni 2007
Zwei Hedge-Fonds der US-Bank Bear Stearns erleiden infolge von Investitionen in verbriefte Wohnungsbaukredite (Subprime-Kredite) hohe Verluste und beantragen Insolvenz.

8. Februar 2007
Europas größte Bank, HSBC, gibt wegen überraschend hoher Risikovorsorge im Hypothekengeschäft die erste Gewinnwarnung ihrer Geschichte heraus. Sieben Monate später schließt die Bank ihre US-Hypothekentochter.